Vom 14. - 17. März 2022 fand in der grenzüberschreitend zwischen Südafrika und Lesotho gelegenen World Heritage Site „Maloti-Drakensberg“ (Südafrika) die erste Southern African Mountain Conference (SAMC 2022) statt. Die unter der Patronanz der UNESCO stehende Konferenz war die erste regionale Gebirgsforschungskonferenz für die Region Südliches Afrika, die die Gebiete südlich des Kongo-Regenwaldes und des Rukwa-Sees umfasst: Angola, Komoren, Demokratische Republik Kongo (südliche Berge), Eswatini, Lesotho, Madagaskar, Malawi, Mauritius, Mosambik, Namibia, La Réunion, Südafrika, südliches Tansania, Sambia und Simbabwe.

Mit dem Konferenzthema Southern African mountains – their value and vulnerabilities nützten die Veranstalter das von den Vereinten Nationen proklamierte „International Year of Sustainable Mountain Development 2022“, um das Bewusstsein für die Bedeutung der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von afrikanischen Bergökosystemen zu schärfen.

Die u.a. von „Mountain Research Initiative“ (MRI) und „Global Mountains Safeguard Research“ (GLOMOS; eine gemeinsame Initiative der EURAC Bozen und dem Institute for Environment and Human Security der UN University) unterstützte Konferenz war mit über 250 Teilnehmer*innen aus 19 Ländern ein voller Erfolg. Die Bedeutung der Konferenz wurde von mehreren prominenten Key-Note-Vorträgen, etwa von Caroline Adler (MRI), Martin Price (University of the Highlands, Scotland) und Lyn Wadley (University of Witwatersrand, Südafrika) unterstrichen. Insgesamt 27 Sessions mit einer breiten Themenvielfalt (z.B. „Protected Areas & Conservation“, „Mountain Invasives“, „Education and Research Management“ oder „Biodiversity“) und etwa 200 wissenschaftlichen Beiträgen brachten Akteure aus Regierungen, internationalen Organisationen, akademischen Einrichtungen, Forschungsinstituten, NGOs und Privatpersonen zusammen. Zwei Workshops, in den man das Verfassen von wissenschaftlicher Artikeln und konkurrenzfähigen Projektanträgen erlernen konnte, sowie eine Feldexkursion rundeten das Programm ab.

Das Österreichische MAB-Nationalkomitee war bei der SAMC 2022 durch Günter Köck vertreten. Köck hat auf Einladung des UNESCO Regional Office in Harare (Zimbabwe) in einer UNESCO Special Session über "Regionale Zusammenarbeit" einen Vortrag zum Thema "National/International Collaboration in UNESCO Biosphere Reserves in Austria" gehalten. Schlüsselinhalte seiner Präsentation waren zwei österreichische Best-Practice-Beispiele für internationale Kooperation, nämlich der "5-Länder Biosphärenpark Mur-Drau-Donau (TBR MDD)“ und das Nockberge-Biosphärenparkmanagement, sowie ein 3-minütiges Präsentationsvideo aus den Nockbergen. Das Session Panel bestand neben Köck aus Lidia Brito (Direktorin des UNESCO Regional Office Harare; Session Chair), Guy Broucke (Moderation), Julia Heiss, Francisco Gómez Durán (alle UNESCO Regional Office Harare), Mohau Monyatsi (Park Manager Maloti-Drakensberg World Heritage Site, Lesotho) und Dagmore Tawanezvi (SADC, Zimbabwe). Der anschließende UNESCO- Cocktailempfang bot ausreichend Gelegenheit für Ideenaustausch, das Knüpfen von Verbindungen und die Sondierung von Kooperationsmöglichkeiten!

Ein kurzes Resümee aus österreichischer Sicht zeigt, dass die Arbeit des Österreichischen MAB-Nationalkomitees und der heimischen Biosphärenparks international einen sehr guten Ruf besitzt. Sehr bestürzend war jedoch das in zahlreichen Vorträgen und Gesprächen mit afrikanischen Kolleg*innen bestätigte Faktum, dass Wissenschaft und Forschung im südlichen Teil Afrikas krass unterfinanziert sind. Das Potential der Forschungseinrichtungen sowie auch die Motivation der Forscher*innen sind überaus hoch, allerdings können viele Vorhaben durch den enormen Geldmangel leider nicht umgesetzt werden. So etwa gibt es in Bezug auf die Erforschung der Artenvielfalt in dieser Region noch viele weiße Flecken und es ist daher zu befürchten, dass viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden. Dazu ein Originalzitat aus einem Gespräch mit einem Kollegen aus Malawi: „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wieviel wir mit ein paar Tausend Euro hier machen könnten!“. Die Konferenz hat jedenfalls gezeigt, dass Kooperationen mit Forschungseinrichtungen aus dieser Region eine vergleichsweise große Wirkung auf die Wissenschaft im südlichen Afrika hätten.

Dazu noch ein passender Österreich-Bezug: In der Region Maloti-Drakensberg, in der die Konferenz abgehalten wurde, soll eine Dauerbeobachtungsfläche des renommierten, von Österreich aus koordinierten weltweiten Klimawandel-Monitoring-Netzwerks GLORIA (Global Observation Initiative in Alpine Environments; https://www.gloria.ac.at/) eingerichtet werden. Leider ist auch dieses Vorhaben ist bisher am Geldmangel gescheitert!

Link zu einem von den Veranstaltern auf Facebook veröffentlichten Konferenz-Kurzvideo:

https://www.facebook.com/SAMC2022/videos/2027196387462901/

 

Studienstiftung 8

Bild 1: Gruppenbild mit (fast) allen Konferenzteilnehmer*innen (© SAMC2022)

Bild 2: Panel v.l.n.r: Lidia Brito (Direktorin des UNESCO Regional Office Harare; Chair), Günter Köck (MAB-Österreich), Dagmore Tawanezvi (SADC, Zimbabwe), Mohau Monyatsi (Park Manager Maloti-Drakensberg WHT Site, Lesotho), Julia Heiss, Francisco Gómez Durán (beide UNESCO Regional Office Harare) © G. Köck

 

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Bild 3: Guy Broucke (UNESCO Regional Office Harare;

Moderation)  © G. Köck

Bild 4: Günter Köck (MAB-Österreich) © G. Köck