Das Österreichische MAB-Nationalkomitee hat kürzlich im Namen der fünf beteiligten Länder Österreich, Kroatien, Ungarn, Serbien und Slowenien den Antrag zur Aufnahme des "Mur-Drau-Donau"-Korridors in das Weltnetzwerk der Biosphärenparks bei der UNESCO in Paris eingereicht. Das Gebiet wäre damit der weltweit erste Fünf-Länder-Biosphärenpark. Mit der offiziellen Anerkennung durch die UNESCO ist im Sommer 2021 zu rechnen.

Die Einreichung legt den Grundstein für den Schutz eines einzigartigen Flussökosystems. Der von der Donau und seinen Nebenflüssen Mur und Drau gebildete Korridor ist die wertvollste zusammenhängenden Flusslandschaft Mitteleuropas. Mit einer Gesamtfläche von rund 930.000 Hektar und einer Länge von 700 Kilometern würde Europas längstes Flussschutzgebiet entstehen. Diese gerne als 'Amazonas Europas' bezeichnete Flusslandschaft erstreckt sich von der steirischen Mur über die Drau bis zur Donau und damit von Österreich über Slowenien, Ungarn und Kroatien bis nach Serbien.

Der "5-Länder-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau (TBR MDD)" verbindet fünf Ländern mit ihren nationalen Biosphärenparks:

Kroatien und Ungarn: "Mura-Drava-Danube Transboundary Biosphere Reserve" (2012)

Serbien: "Bačko Podunavlje Biosphere Reserve" (2017)

Slowenien: "The Mura River Biosphere Reserve" (2018)

Österreich: Biosphärenpark „Unteres Murtal“ (2019)

Die streng geschützten Auenlandschaften entlang der drei Flüsse bilden die Kern- und Pufferzonen des Biosphärenparks. Sie sind mit einer Gesamtfläche von 280.000 Hektar sogar größer als alle österreichischen Nationalparks zusammen. Umgeben ist dieses Gebiet von einer sogenannten Entwicklungszone im Ausmaß von rund 650.000 Hektar, die als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der etwa 900.000 Einwohner fungiert.

Das Gebiet beherbergt mit über 140 Brutpaaren die größte Seeadler-Dichte Europas und ist Rastplatz für mehr als eine Viertelmillion Wasservögel. Intakte Auen schützen Siedlungen vor Hochwassern und garantieren die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Die reizvolle Landschaft hat überdies großes Potential für einen nachhaltigen Tourismus.

Mit der Einreichung wurde nicht nur die Basis für den Schutz eines einzigartigen Flussökosystems, sondern auch für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region gelegt. Sowohl die Identität der Region als auch die Lebensqualität der Menschen hängen stark von den Lebensadern Mur, Drau und Donau ab. Dieser Biosphärenpark bringt die Menschen in fünf Ländern Europas wieder stärker zusammen und ist damit ein Paradebeispiel für multilaterale Zusammenarbeit.

Nachdem das Gebiet bis 1989 ein Teil des ehemaligen Eisernen Vorhangs war, der die Natur und die Menschen in Europa über Jahrzehnte geteilt hat, haben sich die Perspektiven heute signifikant verändert. Während die Grenzregionen nach wie vor mit einem Mangel an Kapazitäten und Ressourcen so wie hohen Abwanderungsraten zu kämpfen haben, bilden ihre Naturschönheiten, seltene Lebensräume und vielfältigen kulturellen Traditionen ein enormes Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung. Damit kann die Region auch globalen Trends wie dem Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt oder dem demografischen Wandel zukünftig effizienter begegnen.

Die gemeinsame Vision der fünf Länder ist die Erhaltung, Wiederherstellung und sinnvolle Nutzung der Flüsse Mur, Drau und Donau und ihrer Ökosysteme. Damit sichert der Biosphärenpark das Überleben der charakteristischen Lebensräume und Arten, während die Einwohner in hohem Maße von ihren Ökosystemleistungen und ihrer klugen Nutzung profitieren.

Durch "globales Denken und lokales Handeln" streben die Länder ein gemeinsames, harmonisiertes Management des Biosphärenparks an, das als Best-Practice-Beispiel für die internationale Zusammenarbeit in der Flussgebiets- und Wasserwirtschaft dienen kann. Die Verwaltung soll dabei auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen allen fünf beteiligten Ländern und einer sektorenübergreifenden Beteiligung aller relevanten Interessengruppen, Gemeinden und NGOs basieren. Mit Blick auf die historische Dimension der Region ist der Biosphärenpark auch darauf ausgerichtet, Brücken zwischen Menschen, Staaten, Gesellschaften und Natur zu bauen.

Die Antragstellung, die vom Österreichischen MAB-Nationalkomitee, dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) und dem WWF kofinanziert wurde, wurde von einem aus Vertreterinnen und Vertretern der fünf beteiligten Länder bestehenden „International Coordination Board“ so wie dem Klagenfurter Institut für Ökologie (E.C.O.) koordiniert.

Mit der Einreichung wurde ein jahrelanger schwieriger Prozess erfolgreich abgeschlossen. Seit den 1990er Jahren hat sich der WWF in Kooperation mit EuroNatur und zahlreichen Partnern federführend für den Erhalt der wertvollsten zusammenhängenden Flusslandschaft Mitteleuropas eingesetzt. Der Durchbruch zur Einrichtung des Fünf-Länder-Biosphärenparks erfolgte 2011, als die Umweltminister aller fünf Länder eine Erklärung unterzeichneten und sich zur Einrichtung eines grenzüberschreitenden Biosphärenparks zum Schutz des 700 km langen Flusskorridors verpflichtetet haben. Danach folgte ein langwieriger und schwieriger Einigungsprozess, dessen erfolgreicher Abschluss laut MAB-Nationalkomitee-Vorsitzenden Arne Arnberger vor allem auch dem Verhandlungsgeschick von Günter Köck (MAB-Nationalkomitee) und Gerhard Schwach (BMLRT) zu verdanken ist.

Alle Partner sind fest davon überzeugt, dass der "5-Länder-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau" nicht nur wesentlich zum Schutz eines einzigartigen Flusssystems und zu einem harmonischen Leben der Menschen über Staatsgrenzen hinweg beitragen wird, sondern auch ein herausragender Beitrag zum weltweiten Biosphärenparknetzwerk der UNESCO sein wird.

 

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Bild 1: Drau in Kroatien (Foto: PI Koprivnica-Krizevc)

Bild 2: Flussabschnitt nahe Bezdan,Serbien (Foto: Jaroslav Pap)
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Bild 3: Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) aus dem slowenischen Mur-Teil (Foto: A. Koren)

Bild 4: Altwasserarm in Ungarn (Foto: Csaba Megyer)

Grenzmur Traditional costumes of Croats in Backo Podunavlje Biosphere reserve Backi Monostor klein

Bild 5: Schiffsmühle an der österreichisch-slowenischen Grenzmur (Foto:Anton Vorauer - WWF)

Bild 6: Traditonelle Tracht von Angehörigen der kroatischen Volksgruppe im serbischen Biosphärenpark "Bačko Podunavlje" (Foto: Jaroslav Pap)