News

Das Österreichische MAB-Nationalkomitee hat kürzlich im Namen der fünf beteiligten Länder Österreich, Kroatien, Ungarn, Serbien und Slowenien den Antrag zur Aufnahme des "Mur-Drau-Donau"-Korridors in das Weltnetzwerk der Biosphärenparks bei der UNESCO in Paris eingereicht. Das Gebiet wäre damit der weltweit erste Fünf-Länder-Biosphärenpark. Mit der offiziellen Anerkennung durch die UNESCO ist im Sommer 2021 zu rechnen.

Die Einreichung legt den Grundstein für den Schutz eines einzigartigen Flussökosystems. Der von der Donau und seinen Nebenflüssen Mur und Drau gebildete Korridor ist die wertvollste zusammenhängenden Flusslandschaft Mitteleuropas. Mit einer Gesamtfläche von rund 930.000 Hektar und einer Länge von 700 Kilometern würde Europas längstes Flussschutzgebiet entstehen. Diese gerne als 'Amazonas Europas' bezeichnete Flusslandschaft erstreckt sich von der steirischen Mur über die Drau bis zur Donau und damit von Österreich über Slowenien, Ungarn und Kroatien bis nach Serbien.

Der "5-Länder-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau (TBR MDD)" verbindet fünf Ländern mit ihren nationalen Biosphärenparks:

Kroatien und Ungarn: "Mura-Drava-Danube Transboundary Biosphere Reserve" (2012)

Serbien: "Bačko Podunavlje Biosphere Reserve" (2017)

Slowenien: "The Mura River Biosphere Reserve" (2018)

Österreich: Biosphärenpark „Unteres Murtal“ (2019)

Die streng geschützten Auenlandschaften entlang der drei Flüsse bilden die Kern- und Pufferzonen des Biosphärenparks. Sie sind mit einer Gesamtfläche von 280.000 Hektar sogar größer als alle österreichischen Nationalparks zusammen. Umgeben ist dieses Gebiet von einer sogenannten Entwicklungszone im Ausmaß von rund 650.000 Hektar, die als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der etwa 900.000 Einwohner fungiert.

Das Gebiet beherbergt mit über 140 Brutpaaren die größte Seeadler-Dichte Europas und ist Rastplatz für mehr als eine Viertelmillion Wasservögel. Intakte Auen schützen Siedlungen vor Hochwassern und garantieren die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Die reizvolle Landschaft hat überdies großes Potential für einen nachhaltigen Tourismus.

Mit der Einreichung wurde nicht nur die Basis für den Schutz eines einzigartigen Flussökosystems, sondern auch für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region gelegt. Sowohl die Identität der Region als auch die Lebensqualität der Menschen hängen stark von den Lebensadern Mur, Drau und Donau ab. Dieser Biosphärenpark bringt die Menschen in fünf Ländern Europas wieder stärker zusammen und ist damit ein Paradebeispiel für multilaterale Zusammenarbeit.

Nachdem das Gebiet bis 1989 ein Teil des ehemaligen Eisernen Vorhangs war, der die Natur und die Menschen in Europa über Jahrzehnte geteilt hat, haben sich die Perspektiven heute signifikant verändert. Während die Grenzregionen nach wie vor mit einem Mangel an Kapazitäten und Ressourcen so wie hohen Abwanderungsraten zu kämpfen haben, bilden ihre Naturschönheiten, seltene Lebensräume und vielfältigen kulturellen Traditionen ein enormes Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung. Damit kann die Region auch globalen Trends wie dem Klimawandel, dem Verlust der biologischen Vielfalt oder dem demografischen Wandel zukünftig effizienter begegnen.

Die gemeinsame Vision der fünf Länder ist die Erhaltung, Wiederherstellung und sinnvolle Nutzung der Flüsse Mur, Drau und Donau und ihrer Ökosysteme. Damit sichert der Biosphärenpark das Überleben der charakteristischen Lebensräume und Arten, während die Einwohner in hohem Maße von ihren Ökosystemleistungen und ihrer klugen Nutzung profitieren.

Durch "globales Denken und lokales Handeln" streben die Länder ein gemeinsames, harmonisiertes Management des Biosphärenparks an, das als Best-Practice-Beispiel für die internationale Zusammenarbeit in der Flussgebiets- und Wasserwirtschaft dienen kann. Die Verwaltung soll dabei auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen allen fünf beteiligten Ländern und einer sektorenübergreifenden Beteiligung aller relevanten Interessengruppen, Gemeinden und NGOs basieren. Mit Blick auf die historische Dimension der Region ist der Biosphärenpark auch darauf ausgerichtet, Brücken zwischen Menschen, Staaten, Gesellschaften und Natur zu bauen.

Die Antragstellung, die vom Österreichischen MAB-Nationalkomitee, dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) und dem WWF kofinanziert wurde, wurde von einem aus Vertreterinnen und Vertretern der fünf beteiligten Länder bestehenden „International Coordination Board“ so wie dem Klagenfurter Institut für Ökologie (E.C.O.) koordiniert.

Mit der Einreichung wurde ein jahrelanger schwieriger Prozess erfolgreich abgeschlossen. Seit den 1990er Jahren hat sich der WWF in Kooperation mit EuroNatur und zahlreichen Partnern federführend für den Erhalt der wertvollsten zusammenhängenden Flusslandschaft Mitteleuropas eingesetzt. Der Durchbruch zur Einrichtung des Fünf-Länder-Biosphärenparks erfolgte 2011, als die Umweltminister aller fünf Länder eine Erklärung unterzeichneten und sich zur Einrichtung eines grenzüberschreitenden Biosphärenparks zum Schutz des 700 km langen Flusskorridors verpflichtetet haben. Danach folgte ein langwieriger und schwieriger Einigungsprozess, dessen erfolgreicher Abschluss laut MAB-Nationalkomitee-Vorsitzenden Arne Arnberger vor allem auch dem Verhandlungsgeschick von Günter Köck (MAB-Nationalkomitee) und Gerhard Schwach (BMLRT) zu verdanken ist.

Alle Partner sind fest davon überzeugt, dass der "5-Länder-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau" nicht nur wesentlich zum Schutz eines einzigartigen Flusssystems und zu einem harmonischen Leben der Menschen über Staatsgrenzen hinweg beitragen wird, sondern auch ein herausragender Beitrag zum weltweiten Biosphärenparknetzwerk der UNESCO sein wird.

 

PI Koprivnica Krizevci klein Peace at DTD canal near Bezdan klein

Bild 1: Drau in Kroatien (Foto: PI Koprivnica-Krizevc)

Bild 2: Flussabschnitt nahe Bezdan,Serbien (Foto: Jaroslav Pap)
Emys orbicularis A Koren klein Holtág1 Megyer Cs klein

Bild 3: Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) aus dem slowenischen Mur-Teil (Foto: A. Koren)

Bild 4: Altwasserarm in Ungarn (Foto: Csaba Megyer)

Grenzmur Traditional costumes of Croats in Backo Podunavlje Biosphere reserve Backi Monostor klein

Bild 5: Schiffsmühle an der österreichisch-slowenischen Grenzmur (Foto:Anton Vorauer - WWF)

Bild 6: Traditonelle Tracht von Angehörigen der kroatischen Volksgruppe im serbischen Biosphärenpark "Bačko Podunavlje" (Foto: Jaroslav Pap)

In diesem Jahr feiert der Biosphärenpark Großes Walsertal sein 20-jähriges Bestehen und ist damit Österreichs „längstdienender“ Biosphärenpark. Aus diesem Anlass gibt es im ganzen Jubiläumsjahr eine Vielzahl an Veranstaltungen, von Ausstellungen über Kulturveranstaltungen und Wanderungen hin zu wissenschaftlichen Vorträgen und einem Festakt. Bereits am 2. Jänner 2020 erfolgte der Auftakt in das Jubiläumsjahr mit der Eröffnung der Sonderausstellung „20 Jahre Biosphärenpark“ welche das ganze Jahr über im biosphärenpark.haus in Sonntag zu sehen sein wird. Gleichzeitig wurde die überarbeitete und um den Bereich Energie erweiterte Dauerausstellung „Auf dem Weg der Walser“ vorgestellt. Das gesamte Veranstaltungsprogramm kann von der Homepage des Biosphärenparks heruntergeladen werden:

http://www.grosseswalsertal.at/Biosphaerenpark/Veranstaltungen_Service/20_Jahre_Biosphaerenpark

Ein Rückblick:

Im Jahr 1997 tauchte in Vorarlberg im Rahmen der Novellierung des Vorarlberger Landesgesetzes über Naturschutz und Landschaftsentwicklung erstmals der Begriff des Schutzgebiet-Konzepts „Biosphärenpark“ auf. Landtagsabgeordneter und REGIO Obmann Josef Türtscher schnappte die Idee auf und brachte sie mit in die Region, in der gerade intensiv über die zukünftige Ausrichtung der Region und die Entwicklung von Tourismus und Landwirtschaft nachgedacht wurde.  

Nach einer gemeinsamen Exkursion von Verantwortlichen aus den Gemeinden des Großen Walsertals in das deutsche Biosphärenreservat Rhön wussten diese bereits auf der Heimfahrt, diesen für die Region zukunftsweisenden Weg einschlagen zu wollen. Nach positiven Gemeindebeschlüssen, intensiver Vorbereitung mit naturräumlichem Leitbild, Zonierung, Bevölkerungsleitbild und ersten Projektideen wurde das große Walsertal am 10. November 2000 von der UNESCO als Biosphärenpark anerkannt (siehe Foto).

unesco1
Übergabe der offiziellen Anerkennungsurkunde im UNESCO Hauptquartier in Paris im Jahr 2000. (Von links: MAB-Direktor Peter Bridgewater, REGIO-Obmann und Landtagsabgeordneter Josef Türtscher, Landesrat Erich Schwärzler, Landeshauptmann Herbert Sausgruber (Foto: UNESCO/Biosphärenpark Großes Walsertal)


Im Laufe der 20 Jahre seines Bestehens hat der Biosphärenpark eine Vielzahl von Aktivitäten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit gesetzt und sich so zu einem Vorzeigemodell im Weltnetzwerk der Biosphärenparks entwickelt. Davon zeugen unter anderem zahlreichen Besuche in- und ausländischer Biosphärenpark-Delegationen im Großen Walsertal.

Die nachfolgenden Grußworte des Österreichischen Delegierten zum MAB International Coordination Council, Günter Köck, für die Biosphärenpark-Zeitschrift „talschafft“ stehen stellvertretend für die Gratulationen des MAB-Nationalkomitees.

"Seit mittlerweile mehr als 15 Jahren darf ich die Geschicke des Biosphärenparks Großes Walsertal (BPGW) als Mitglied des MAB-Nationalkomitees begleiten. Dass das Große Walsertal eine besondere Region ist, habe ich sehr rasch mit-, ja geradezu eingebläut bekommen! Und zwar von meinem Freund und Lehrmeister in Sachen Biosphärenpark, dem damaligen Vorsitzenden des MAB-Nationalkomitees Georg Grabherr. Der übrigens bei jeder Gelegenheit, so auch in jeder Nationalkomitee-Sitzung betont hat, dass der „Walserstolz“ der weitaus beste Bergkäse Österreichs sei. Und damit wären wir bei einer absoluten Erfolgsgeschichte! Der Biosphärenpark würde heute sicherlich nicht so dastehen, wie er sich heute präsentiert, wenn es das Leuchtturm-Projekt „Walserstolz“ nicht gegeben hätte. Was mir persönlich besonders gefällt ist, dass sich hier die Bevölkerung wirklich von Beginn an Gedanken gemacht hat, wie man die nachhaltige Entwicklung der Region zum Wohle der Bevölkerung und der Umwelt vorantreiben kann. Die Walsertaler/innen haben es in den zwei Jahrzehnten bestens verstanden, die Naturschätze des Großen Walsertals nicht nur zu bewahren, sondern diese Schätze auch im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu nützen. Auch die Initiative „Bergholz“ und das Alchemilla Kräuterprojekt zeigen den Willen der Bevölkerung, lokale Ressourcen und traditionelles Wissen auf kreative Weise erfolgreich zu verbinden. Darüberhinaus ist der BPGW, u.a. als Klima und Energie Modellregion und Österreichs einzige e5-Region, auch Vorreiter bei innovativen Energieprojekten. Eine Tatsache, die in Zeiten des Klimawandels nicht hoch genug eingeschätzt werden kann! Der vom Nationalkomitee organisierte internationale Workshop zur Erstellung seines „Positionspapiers zur Nutzung von erneuerbaren Energien in österreichischen Biosphärenparks“ fand im Jahr 2016 nicht zufällig im Großen Walsertal statt.

Der Erfolg des Biosphärenparks spiegelt sich auch in Publikationen des MAB-Programms wider, in denen das Große Walsertal mehrfach als beispielhaft beschrieben genannt wurde. Gerne erinnere ich mich auch an die Übergabe des MAB Michel Batisse Preises für herausragendes Biosphärenpark-Management an die erste BPGW-Managerin Birgit Reutz im Jahr 2006 im UNESCO Hauptquartier in Paris.

Aus Sicht des Nationalkomitees ist es sehr erfreulich, dass auch die Forschung seit jeher für das Biosphärenpark-Management einen großen Stellenwert hat. So etwa belegen die beiden jüngsten Projekte „REPA-next“ und „AkIdEn“ die hohe Akzeptanz des Biosphärenparks in der Bevölkerung und damit im Wesentlichen auch seinen Erfolg. Gleichzeitig weisen diese Studien den Weg, wie die Entwicklung zum Wohle der Biosphärenpark-Region und seiner Bewohner erfolgreich weitergehen könnte.

In diesem Sinne darf ich dem „Biosphärenpark Großes Walsertal“ und seinen Bewohnern im Namen des gesamten Nationalkomitees zum 20-jährigen Jubiläum sehr herzlich gratulieren und gleichzeitig viel Erfolg für die weitere Zukunft wünschen."

Günter Köck

 

Zahlen zum Biosphärenpark „Großes Walsertal“

  • 6 politische Gemeinden
  • 192 km²
  • Höhenerstreckung von 580 bis 2704 m
  • rund 3450 Einwohner/innen
  • Besiedlung durch die Walser im 14. Jahrhundert (erste urkundliche Erwähnung in Vorarlberg im Jahr 1313)
  • mehr als 100 Kleinbetriebe, vornehmlich im Handwerk und der Dienstleistung (die 3 größten Betriebe der Region bieten jeweils 25 – 35 Arbeitsplätze)
  • mehr als 100 Vereine

Homepage: http://www.grosseswalsertal.at/

 

Ende Februar 2020 war Günter Köck als Vertreter des Österreichischen MAB-Nationalkomitees gemeinsam mit Miguel Clüsener-Godt (Direktor der UNESCO Division „Ecological and Earth Sciences“, Paris) und Guy Broucke (Chef der Abteilung "Natural Sciences" UNESCO New Delhi Office) zu einer einwöchigen UNESCO Fact-Finding Mission im Königreich Bhutan. Grund der auf Einladung der UNESCO-Kommission von Bhutan erfolgten Mission war der Wunsch des Landes, seinen ersten Biosphärenpark (BP) einzurichten. Und zwar mit österreichischem MAB-Know-how!

Das 38.394 km2 große Königreich Bhutan, das zu 71 % mit Wald bedeckt ist und zu den weltweit bedeutendsten Biodiversitätshotspots zählt, besitzt derzeit fünf Nationalparks und fünf weitere Schutzgebiete, die durch Korridore verbunden sind. Die Tatsache, dass mit einer Fläche von 19.750,17 km2 knapp mehr als die Hälfte des Landes Schutzgebiete sind, zeigt die hohe Bedeutung des Naturschutzes in Bhutan.

Seit vielen Jahren ist es ein großes Anliegen des österreichischen MAB-Nationalkomitees, die hier vorhandene exzellente MAB-Expertise auch der internationalen MAB-Community zur Verfügung zu stellen. Davon zeugen mehrere Kooperationsprojekte mit BP-Projekten im Ausland, beispielsweise in Griechenland, Spanien, Tschechien, Schweiz, Peru und Brasilien. Ein ebenso großes Anliegen ist es für die UNESCO, das aktuell aus 701 BPs in 124 Ländern bestehende Weltbiosphärenparknetzwerk beständig zu erweitern und Länder, die bisher noch keinen BP haben, beim Aufbau dieses modernen Schutzgebietskonzepts zu unterstützen. Die Idee, die Expertise des österreichischen MAB-Programms für Bhutan zu nutzen, geht nicht zuletzt auf die Tatsache zurück, dass Bhutan und Österreich einige geographische Gemeinsamkeiten aufweisen. Beide Länder sind relativ klein, gebirgig und weisen eine große Waldbedeckung auf.

Das österreichische MAB-Nationalkomitee hat sich daher auf Anfrage der UNESCO im Jahr 2016 bereiterklärt, zwei Schutzgebietsverantwortlichen aus Bhutan die Reise zum 4. Weltbiosphärenparkkongress in Lima (Peru) zu finanzieren, damit sie erste Erfahrungen auf den MAB/BP-Sektor sammeln können. Dabei konnte Köck mit den bhutanischen Kollegen, die sich von der österreichischen Expertise bei der Einrichtung von BPs in Bergregionen begeistert gezeigt haben, sehr ergiebige Gespräche bezüglich einer engeren Zusammenarbeit am BP-Sektor und bei der Gebirgsforschung führen. Auch das Nationalkomitee hat sich für eine Weiterverfolgung der Bhutan-Kooperation ausgesprochen.

Kürzlich hat das Königreich Bhutan nun die Entscheidung getroffen, den ersten BP des Landes einzurichten. Das geplante, etwa 70 km2 große Gebiet im Bereich des Royal Botanical Garden in Lampelri liegt im Korridor zwischen den beiden Nationalparks Jigme Dorji und Jigme Singye Wangchuk und beherbergt über 800 Gefäßpflanzenarten (darunter 29 der 46 in Bhutan vorkommenden Rhododendron-Arten und 115 Farnarten), mehr als 230 Vogelarten (z.B. Himalaya-Glanzfasan, Satyrtragopan) und über 24 Säugetierarten (darunter Bengalischer Tiger, Roter Panda und Kragenbär).

Da das Land bezüglich der Ausweisung und Implementierung eines derartigen Schutzgebietes noch wenig Erfahrung besitzt, hat sich die UNESCO-Kommission Bhutans an die Stellvertretende Generaldirektorin der UNESCO-Abteilung für Naturwissenschaften, Shamila Nair-Bedouelle gewandt und um Unterstützung durch die UNESCO und das Österreichische Nationalkomitee ersucht.

Im Zuge der einwöchigen Reise konnte die Delegation nicht nur das von den Behörden ausgewählte Gebiet besuchen, sondern in mehreren Treffen, u.a. mit Vertretern der Naturschutzabteilung Bhutans, dem Generalsekretär der UNESCO-Kommission Bhutans und lokalen Interessenvertretern (die Möglichkeiten der Unterstützung bei der Einrichtung des ersten bhutanischen BPs sowie auch eines MAB-Nationalkomitees durch die UNESCO und Österreich diskutieren. Köck konnte in einem Vortrag vor Vertreterinnen und Vertretern der für die Einrichtung des BPs verantwortlichen "Nature Conservation Division" die Arbeit des österreichischen MAB-Nationalkomitees und der heimischen Biosphärenparks präsentieren. In der sehr angeregten Diskussion zeigten sich die Kolleginnen und Kollegen aus Bhutan von der österreichischen Biosphärenpark-Expertise begeistert. Das mitgebrachte Informationsmaterial, u.a. das BP-Kochbuch „Vielfalt genießen“, ein Buch über die Nockberge, der Nockberge-Managementplan sowie Produkte aus heimischen BPs haben großen Anklang gefunden. Eine besondere Ehre für die Delegation war die Einladung bei Seiner Exzellenz Yeshay Penjor, Minister für Land- und Forstwirtschaft von Bhutan, der sich über die Einbindung der österreichischen MAB-Expertise ebenfalls erfreut gezeigt hat (Bild 6).

Das österreichische MAB-Nationalkomitee würde sich sehr freuen, wenn Bhutan in naher Zukunft Teil des Weltbiosphärenparknetzwerks der UNESCO wird und wird daher die Kolleginnen und Kollegen in Bhutan bei der Einrichtung des ersten BPs des Landes weiterhin mit all seinen Möglichkeiten unterstützen.

BP Trans klein Buffer3a klein

Bild 1: Blick vom Dochula-Pass (3100 m) mit seinen insgesamt 108 Chorten in Richtung des geplanten BP-Gebietes

 

Bild 2: Anbau von Weizen und Reis in einem Teil der geplanten Pufferzone
NatureConservationa klein Vortrag3 klein

Bild 3 (v.l.n.r.): Ngawang Gyeltshen (Sr. Forest Ranger), Thsering Pem (Sr. Forest Ranger), Namgay Wangchuk (Sr. Forest Ranger), Miguel Clüsener-Godt (Director of the UNESCO Division „Ecological and Earth Sciences“, Paris), Sonam Wangdi (Chief Forestry Officer, Nature Conservation Division Bhutan), Günter Köck (Austrian MAB National Committee),Wangchuk Bidha (Chief Program Officer, Bhutan National Commission for UNESCO), Guy Broucke (Chief of the Section "Natural Sciences" UNESCO New Delhi Office), Tandin Namgay (Sr. Forest Ranger), Letro (Sr. Forest Officer)

Bild 4: Präsentation der Arbeit des österreichischen MAB-Nationalkomitees und der heimischen BPs vor Vertreterinnen und Vertretern der "Nature Conservation Division Bhutan"


 


NatCom2aa klein Minister1 klein

Bild 5 (v.l.n.r.): Günter Köck (Austrian MAB National Committee), Miguel Clüsener-Godt (Director of the UNESCO Division „Ecological and Earth Sciences“, Paris), Karma Yeshey (Secretary-General Bhutan National Commission for UNESCO), Guy Broucke (Chief of the Section "Natural Sciences" UNESCO New Delhi Office), Wangchuk Bidha (Bhutan National Commission for UNESCO)

Bild 6 (v.l.n.r.): Sonam Wangdi (Nature Conservation Division Bhutan), Tshering Pem (Nature Conservation Division Bhutan), Rinzin Dorji (Secretary of the Ministry of Agriculture & Forests, Royal Government of Bhutan), Günter Köck (Austrian MAB National Committee), Yeshay Penjor (Minister of Agriculture & Forests, Royal Government of Bhutan), Miguel Clüsener-Godt (Director of the UNESCO Division „Ecological and Earth Sciences“, Paris), Guy Broucke (Chief of the Section "Natural Sciences" UNESCO New Delhi Office), Wangchuk Bidha (Bhutan National Commission for UNESCO)


Das in der Reihe „Wahrnehmungsgeographische Studien“ von Ingo Mose (Universität Oldenburg) und Norbert Weixlbaumer (Universität Wien) herausgegebene Buch GEOGRAPHIEN DES ESSENS, beleuchtet die Rolle von Schutzgebieten wie Nationalparks, Biosphärenparks, Naturparks und Welterbestätten als Förderer eines „besseren Essens“ und diskutiert, wie regionale kulinarische Produkte zu Instrumenten der Regionalentwicklung und zu „Botschaftern“ des Gebietsschutzes werden können.


Zu diesem Buch haben auch Mitglieder des Österreichischen Nationalkomitees für das UNESCO-Programm „Man and the Biosphere“, das die heimischen Biosphärenparks betreut, signifikant beigetragen. Neben Herausgeber Norbert Weixlbaumer ist auch Marianne Penker, Professorin für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung an der BOKU Wien, mit einem Beitrag vertreten. Günter Köck hat das Kapitel „Vielfalt genießen – Die österreichischen Biosphärenparks als Modellregionen für regionalen Genuss“ beigesteuert. Darüber hinaus beleuchten die ehemalige Managerin des Biosphärenparks Großes Walsertal, Christine Klenovec, und Peter Rumpolt (Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) ein Leitprodukt des Biosphärenparks Großes Walsertal, nämlich den Bergkäse, in Bezug auf Perzeption und Praxis.

 

Das Buch ist eine Empfehlung für interessierte "Besser-Esserinnen und -Esser", die Wert auf regionalen Genuss legen!

 

Geographien des Essens - Perzeption und Rezeption von Schutzgebieten im Spiegel kulinarischer regionaler Produkte. 2019. Herausgegeben von Ingo Mose und Norbert Weixlbaumer, BIS-Verlag der Universität Oldenburg, ISBN: 978-3-8142-2366-7, 234 Seiten

 

Geographien des Essens Cover

Beiträge:


Norbert Weixlbaumer und Ingo Mose: Geographien des Essens im Kontext von Schutzgebieten und regionalen kulinarischen Produkten


Marelli Asamer-Handler und Franz Handler: Kulinarische regionale Produkte in europäischen Naturparken - ein Überblick


Andreas Voth: Kulinarische Produkte im Schutzgebietsnetz Andalusiens


Norbert Weixlbaumer: Die Europäische Auster - Ingredienz einer Nordic Food Culture im Spannungsfeld von Schutz und Nutzen


Lea Ketterer Bonnelame, Florian Knaus und Dominik Siegrist: Der Biosphäreneffekt von regionalen Label Produkten in der UNESCO Biosphäre Entlebuch


Günter Köck: Vielfalt genießen - Die österreichischen Biosphärenparks als Modellregionen für regionalen Genuss


Katharina Gugerell, Pia Regina Kieninger und Marianne Penker: Koevolution von Kulinarik und Landschaft in der UNESCO­ Welterbestätte Wachau

 

Peter Alexander Rumpolt und Christine Klenovec: Bergkäse aus dem Biosphärenpark Großes Walsertal - ein berglandwirtschaftliches Regionalprodukt in Perzeption und Praxis

 

 Link zum Online-Publikationsserver der Universität Oldenburg

 

Vom 23. - 25. Oktober 2019 fand in Škocjan (Slowenien) ein UNESCO Experten-Meeting zum Thema "Linkage between academic institutions and biosphere reserves: application of traditional knowledge and aiming to sustainable coexistance of people and nature in modern times" statt.

Die Höhlen von Škocjan wurden 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und 1999 als erstes unterirdisches Feuchtbiotop der Welt in die Liste der international bedeutenden Feuchtgebiete der Ramsar-Konvention aufgenommen. Seit 2004 ist das Gebiet auch UNESCO-Biosphärenpark. 

Auf der anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Karst-Biosphärenparks organisierten Konferenz wurden Möglichkeiten und Maßnahmen zur Intensivierung der wissenschaftlichen Forschung in Biosphärenparks und zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Biosphärenparks und Forschungseinrichtungen diskutiert.

Zu diesem hochkarätigen Meeting waren Biosphärenpark-Expertinnen und Experten aus Ghana, Korea, USA, Tschechien, Italien, Spanien, Slowenien und Österreich eingeladen:

Petr Čupa (Vorsitzender des International Advisory Committee for Biosphere Reserves (IACBR) at UNESCO, Biosphärenpark Dolni Morava, Tschechien)

Do-Soon Cho (Catholic University of Korea, Vorsitzender des MAB-Nationalkomitees Korea, Mitglied des IACBR)

Sheila Nana Akua Ashong (MAB-Nationalkomitee Ghana, Mitglied des IACBR)

Ebenezer Appah-Sampong (Environmental Protection Agency Ghana)

Roser Maneja (International UNESCO Centre for Mediterranean Biosphere Reserves, Autonomous University of Barcelona, Spanien)

LeeAnne Bledsoe (Western Kentucky University, Mammoth Cave Area Biosphere Reserve, USA)

Anna Agostini (Punto3, Italien)

Günter Köck (Österreichisches MAB-Nationalkomitee)

Irena Lazar (Dekanin der Faculty of Humanities, University of Primorska, Koper)

Katja Hrobat Virloget (Faculty of Humanities, University of Primorska, Koper)

Vanja Debevec (frühere Vorsitzende des IACBR, Škocjan Caves Park, Slowenien)

Darja Kranjc (Škocjan Caves Park, Slovenien)

Maja Andrič (Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften)

Jasna Fakin Bajec (Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften)

Magdalena Năpăruș-Aljančič (Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften)

 

 Skocjan3

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Experts Meeting in Škocjan (Foto: Škocjan Caves Park)

 

Günter Köck hat in seinem Vortrag unter dem Titel "Cooperation between biosphere reserves and research institutions in Austria" die Situation in den österreichischen Biosphärenparks vorgestellt. Vielbeachtete Best-Practice-Beispiele waren dabei die Tatsache, dass das heimischen Nationalkomitee als weltweit wohl einziges MAB-Nationalkomitee ein eigenes Forschungsbudget besitzt, sowie die Forschungsbörse SCIENCE_LINK. Dies ist eine Kooperation zwischen der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und dem Kärntner Teil des Biosphärenparks „Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge“ mit dem Ziel, langfristig eine Brücke zwischen universitärer Forschung und der Lebensrealität in der Biosphärenpark-Region zu schlagen und so den Biosphärenpark bei der innovativen Umsetzung seines Forschungs-, Bildungs-, Schutz-, und Entwicklungsauftrages zu unterstützen.

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt des Meetings war die Erarbeitung von möglichen Forschungsthemen für den geplanten und auch vom Österreichischen MAB-Nationalkomitee unterstützten UNESCO Chair „Interpretation and Education for Enhancing Integrated Heritage Approaches”, der in Kooperation mit dem Škocjan Caves Park an der Faculty for Humanities at the University of Promorska (Koper) eingerichtet werden soll. Exkursionen, Treffen mit Stakeholdern aus dem Biosphärenpark sowie ein Besuch der Faculty for Humanities an der University of Promorska (Koper) haben das erfolgreiche Meeting abgerundet.